Autopilot – So weit ist das selbstfahrende Auto Sep19

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Autopilot – So weit ist das selbstfahrende Auto

Bertha Benz schaffte die Strecke noch ohne Autopilot. Als die Frau von Carl Benz mit dem Motorwagen ihres Mannes 1888 die weltweit erste Langstreckenfahrt absolvierte, hatte sie kein Navigationssystem, geschweige denn einen Bremsassistenten an Bord, der sie vor Gefahren warnte. Die rund 740 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim fuhr sie auf den noch holprigen deutschen Straßen ganz allein. 125 Jahre nach der Langstrecken-Pioniere fährt wieder jemand diese Strecke (fast) allein: Die Mercedes Benz S-Klasse. Seit Jahren tüfteln die Ingenieure bei Mercedes an einem praxistauglichen Prototyp, nun bestand das erste vom Autopilot gesteuerte Auto seine Feuerprobe: Im öffentlichen Verkehr legte es ohne menschliches Zutun dieselbe Strecke zurück wie einst Bertha Benz.

„Berta“ erkennt alle Gefahren dank Autopilot

mit autopilot fährt bald die mercedes s-klasse

Auch am Strand kann die S-Klasse mit Autopilot bald selbst fahren. (c) Lachmöwe / pixelio.de

Weil die Frau von Carl Benz einst Pionierarbeit leistete, haben die Konstrukteure den Prototyp nach ihr benannt: Die autonome „Berta“ wurde im vergangenen Jahr auf abgesperrten Testgeländen eingängig geprüft, ehe das Auto die Zulassung für die Fahrt Mannheim-Pforzheim bekam.
Grund für die Zulassung ist die Technik, mit die bergeweise im Auto verbaut wurde: Mit diversen Sensoren erkennt „Berta“ ihre Umgebung und kann diverse Quellen analysieren, beurteilen – und reagieren. So erkennt das Auto rote Ampeln, Fußgänger, Radfahrer, parkende Autos und den Gegenverkehr und trifft aufgrund der gesammelten Daten selbst die richtigen Entscheidungen.
Der „Fahrer“ wird durch den sensiblen Autopilot zum Beifahrer: Er kann im Notfall zwar eingreifen, die meiste Zeit der Fahrt aber entspannen.

Die Sensoren vom Autopiloten arbeiten erstaunlich gut

Gerade bei der Fahrt über Land kann die Limousine ihre Stärken ausspielen: Sie erkennt Geschwindigkeitsbegrenzungen und regelt die Geschwindigkeit umgehend herunter. Ist die Begrenzung aufgehoben, dreht der Motor wieder auf und „Berta“ beschleunigt. Selbst langsam fahrende Autos erkennt das autonome Vehikel und überholt sie selbstständig – inklusive Blinker setzen und ausreichendem Sicherheitsabstand.
Innerhalb von Ortschaften geht das selbstfahrende Auto allerdings etwas behutsamer zu Werke: Hier merkt man deutlich, dass viel mehr Daten durch die Sensoren aufgenommen werden, die „Berta“ verarbeiten muss. Da fährt das Auto mit stark verringertem Tempo durch die Straßen, um Gefahren zu meiden. Auch in der Stadt klappt das Überholen von Fahrradfahrern, das automatische Stoppen an Rot gewordenen Ampeln und das Anhalten an Zebra-Streifen ohne Probleme.

„Ein bisschen Science-Fiction ist das noch. Aber wir haben bewiesen, dass Science-Fiction machbar ist.“

Der Mensch muss dem Autopilot nur zweimal helfen

Ganz alleine hat „Berta“ es mit Autopilot allerdings dann doch nicht nach Pforzheim geschafft: Eingreifen musste der Testfahrer aber nicht in kritischen Situationen, sondern bei Banalitäten. In einer Situation wartete die S-Klasse geduldig hinter einem Müllwagen, in einer anderen blieb der Autopilot vor einem Zebra-Streifen stehen, an dem Passanten standen und das Auto durchwinkten.
Gefährliche Verkehrssituationen konnte „Berta“ mit ihrem Autopilot also autonom auflösen – ohne dass ein Mensch eingreifen musste. Trotzdem ist der Prototyp noch serienreif. Nissan-Chef Carlos Ghosn sagte vor kurzem in einem Interview, dass man bereits im Jahr 2020 mit einem autonom fahrenden Auto rechnen könne, die Ingenieure von Mercedes von sind allerdings etwas vorsichtiger: Sie rechnen damit, dass normale und auch Ökostrom Fahrzeuge erst in 15 Jahren selbstständig per Autopilot über unsere Straßen rollen.

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